Individualisierung als Folge der Arbeitsteilung

Die moderne Gesellschaft ist geprägt von einer fortgeschrittenen Arbeitsteilung. Wärend in Jäger- und Sammlergesellschaften und später in den Acker- und Viehzuchtgesellschaften nur wenig von einander getrennte Funktionen bearbeitet werden (mussten), werden die Arbeitsschritte, aber auch Professionen der modernen Gesellschaft immer differenzierter. Das schlägt sich seit einigen Jahren auch in der Masse an neu geschaffenen Studiengängen und damit in der hohen Spezialisierung in einem Fachgebiet nieder.

So arbeitete ende des 19. Jahrhunderts meinst nur ein Lehrer an der Schule. Heute findet man hier neben Lehrern häufig auch, SekretärInnen, Sozialpädagogen, Krankenschwestern, SchulpsychologInnen, Reinigungskräfte und Köche. In anderen Organisationen sind noch weit mehr unterschiedliche Berufe in einem Bereich beschäftigt (z.B. Krankenhäuser). Als moderner Mensch bin ich also nicht mehr nur damit beschäftigt Nahrung zu beschaffen und mich zu reproduzieren (mit allem was dies nach sich zieht), sondern habe verschiedene Rollen, wie Lehrerin, Mitglied in einem Sportverein, Freundin, Mutter, Hausfrau, politisch engagierte in der Partei XY und so weiter. Nicht nur zur Beurteilung des Persönlichkeitsprofils eines Schülers sind Kenntnisse aus den verschiedenen Berufen – Lehrperson, Sozialpädagoge und Schulpsychologe – erforderlich, auch im Privatleben habe ich die möglichkeit mir meine Existenz nach Lust und Laune zusammen zu basteln.

Als Individuum bin ich also Schnittpunkt dieser verschiedenen Institutionen und Organisationen und Träger verschiedener Positionen und Rollen. Welchen Beruf ich ausübe, welche Beziehungen ich eingehe und welchen Gruppen ich angehöre, liegt – mehr oder weniger – in meiner Entscheidungsfreiheit. Diese unverwechselbaren Schnittpunkte, sind es, die uns aus soziologischer Sicht unsere Individualität geben.

Somit ist es wahrscheinlich garnicht notwendig unsere Kinder zu Individuen zu erziehen, denn das macht schon die moderne Gesellschaft automatisch. Viel eher ist es Aufgabe einer guten Schule, den Dschungel an Möglichkeiten zur Gestaltung und Erkennung der eigenen Individualität, tranzparenter zu machen und dadurch die Orientierungslosigkeit bei Seite zu räumen.