Eltern und Schüler

Heutzutage streben vier von fünf Eltern das Abitur für ihr Kind an. Abgehsehen von G8 und sonstigen gesellschaftlichen Erwartungen, erhöht sich der Druck auf die Kinder auch auf familiärer Ebene. Leistungsanforderungen und -nachweise, Gewinner und Verlierer i.S.v. sozialer Selektion, solche und ähnliche Begriffe fallen – schon bei unter 10-jährigen Kindern – im Zusammenhang mit Schule.

Die Schulstunden weiten sich, vor allem auf Gymnasien, bis zum Nachmittag aus. Zu Hause müssen dann noch Hausaufgaben erledigt werden und für die bevorstehende Prüfung gelernt werden. Dabei sitzen den Kinder oft die Eltern (bzw. Sorgeberechtigte) bis in die späten Abendstunden im Nacken. Freizeit und altersspezifische Interessen rücken in den Hintergrund, Druck und Leistungsanforderung im innerfamiliären Bereich steigen hingegen. Streitigkeiten und Verzweiflung rücken anstelle von Harmonie und Zeit füreinander.

Seit einigen Jahren ist Schule nicht mehr nur ein Ort für Lehrer und Kinder/Jugendliche, sondern wird immer mehr von Eltern mitgemischt. Im Grunde spricht auch nichts dagegen, wenn Eltern sich in der Schule engagieren, jedoch schießt es weit über das Ziel hinaus, wenn Eltern mit Lehrern und Schulleitern über die Notengebungen verhandeln und in einigen Fällen sogar rechtliche Schritten einleiten. So schlüpfen Eltern immer mehr in die Rolle eines Pädagogen und verlassen die ihnen zugeschriebene Rolle als Mama und Papa, als der “sichere Hafen”.

Ebenso wenig wie die heimischen vier Wände, sollte auch Schule kein Ort der Leistung sein. Schule sollte (wieder) zu einem Lebensort werden, indem Lernen durch Neugierde gesteuert wird, nicht durch Druck und Leistungsorientierung.  Druck und die damit einhergehende Angst ist ein falscher Nährboden für Lernerfolg. Im Gegenteil: Angst blockert unser Gehirn und löst Reflexe wie Fluchtverhalten aus. Positive Emotionen, Neugierde, Interesse, Projektgruppen und Gelegenheiten Lerninhalte mit allen Sinnen zu erfassen hingegen sind es, die nachhaltig im Gehirn verankert bleiben. Wir sollten uns also überlegen, wie eine Schule ohne Leistungsdruck – also ohne Noten und Fächer – aussehen würde und uns ausmalen, wie schwerelos die Freizeit in so mancher Familie dadurch gestaltet werden kann.

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