Precht, Schule kann mehr, DIE ZEIT Nr. 16: Ein Leserbrief

Richard David Precht hat in der ZEIT vom 11.04.2013 zehn wünschenswerte Prinzipien für eine Bildungsreform formuliert. Es handelt sich um den Auszug aus seinem Buch “Anna, die Schule und der liebe Gott”, das ich nicht gelesen habe. Ich bin mir daher nicht sicher, ob meine Kritik berechtigt ist:

Der Grund dafür, dass bislang keine echte Bildungsreform zu Stande gekommen ist, liegt nicht am Mangel an guten Ideen. Es liegt daran, dass dass sich eine demokratische Mehrheit – in Deutschland sogar eine Mehrheit von Ministern – auf bestimmte Prinzipien verständigen müsste, die dann wieder bei allen Schülern angewendet werden würde. Ein Einigung auf das richtige pädagogische Konzept ist angesichts der Vielzahl der Konzepte praktisch nicht möglich. Obwohl die Probleme bekannt sind, ist es daher seit Jahren zu keiner Refom gekommen ist, die den Namen verdient hätte. Die Umsetzung der von Precht vorgeschlagen Prinzipien würde außerdem am Widerstand der Institutionen scheitern, weil sie für viele Lehrer und Ministerialbeamte eine existentielle Bedrohung für gepflegte und geliebte Gewohnheiten und Priviliegien darstellen würde.

Eine solche Bildungsreform ließe sich nur dann voranbringen, wenn sich die Entscheidung der Mehrheit auf das setzen von elementaren Bildungszielen und die Festlegung der Höhe der Ausgaben der Gesellschaft pro Schüler beschränken würde. Es würde einen Abschied vom staatlichen Berechtigungswesen (dem Zensurensystem) bedeuten und damit Bildungskarrieren flexibilisieren. Schulen in freier Trägerschaft – oder “Lehrerkollegien” wie Precht es nennt – könnten dann im Wettbewerb die “Überlegenheit” ihrer Prinizipien unter Beweis stellen und so die Schulen in staatlicher Trägerschaft langfristig zum Einlenken zwingen. Wenn der “Kopfbeitrag” in Form von Bildungsgutscheinen an die Träger der Bildungseinrichtungen gezahlt würde, ließe sich die soziale Spaltung (über das heutige Maß) verhindern und die Schulen würden über gesicherte Finanzierung verfügen.

So viel Freiheit würde ich allen Beteiligten zutrauen und es würde das Schulsystem wirklich revolutionieren.

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